Arbeit & Psyche

Psychologie im Arbeitsleben

Texte und Vorträge zu Stress, Mobbing, Burnout und Selbstfürsorge im Berufsalltag.

Beobachtung

Arbeit und psychischer Druck

Sherpas tragen schwere Lasten im Hochgebirge
Wer trägt am Ende die Last? — Sherpas im Hochgebirge.

Zunehmender psychischer Druck in der Arbeitswelt

Ich stelle in allen Arbeitsbereichen eine deutliche Veränderung des Arbeitsklimas in den vergangenen 10 bis 12 Jahren fest, die mich sehr beschäftigt. Der Aktienboom Ende der 90er Jahre hat anscheinend in vielen Betrieben das Gewinnstreben so dominant werden lassen, dass Menschlichkeit und Kooperation nur noch Lippenbekenntnisse sind, tatsächlich aber systematisch zugrunde gerichtet werden. In den letzten Jahren haben nach den Berichten der Krankenkassen die psychischen Störungen, die m. E. auch am Arbeitsplatz verursacht werden, drastisch zugenommen. Es ist wirtschaftlich gesehen langfristig katastrophal, dass die Bereitschaft zur Kooperation, welches die Funktionsgrundlage für jeden Betrieb und jede Verwaltung ist, zerstört wird. In vielen Betrieben und Verwaltungen setzt sich ein rücksichtsloser Egoismus von oben nach unten in einem Ausmaß durch, wie mir früher nicht berichtet wurde. Es entsteht inzwischen häufig ein Klima, in dem derjenige, der sich für seine Arbeit und seinen Betrieb engagiert, als der Dumme angesehen wird, während die „Cleveren“ nur an sich denken. In den letzten Jahren sind häufiger Menschen zu mir in Therapie gekommen, weil ihr Engagement für ihre Arbeit sie krank gemacht hat. Sie wurden von Kollegen oder Vorgesetzten wegen ihrer Bemühungen um eine gute Arbeit auf unterschiedliche Weise bekämpft oder übermäßig ausgenutzt. Und eine „innere Kündigung“ kann auch Menschen, die ihre Arbeit gern gemacht haben, krank machen.

Folgende Zeitungsnotiz bestätigt diese Tendenzen:

Die Karriereberaterin Madeleine Leitner hat eine weitere neue Entwicklung beobachtet: Unliebsame oder scheinbar überflüssige Mitarbeiter werden nach ihrer Einschätzung von der Unternehmensführung zum Teil gezielt gemobbt, werden dadurch dauerhaft krank und so aus dem Job getrieben. „Die Firmen zahlen nur noch für sechs Wochen die Lohnfortzahlung im Krankheitsfall, dann greift die Krankenkasse und später das Arbeitsamt ein – Abfindungen werden umgangen“, sagt Madeleine Leitner. „Da spiegelt sich die Brutalisierung und Verrohung unserer Gesellschaft wieder“, sagt die Psychotherapeutin. … „Dieses gezielte Mobbing gibt es bereits länger“, sagt Martina Stackelbeck von der Sozialforschungsstelle Dortmund. Wie hoch der Anteil der Unternehmen ist, die durch gezieltes Schikanieren Mitarbeiter „entsorgen“, sei statistisch aber nicht erfasst. In einer ersten repräsentativen Studie zum Thema Mobbing hat die Sozialforschungsstelle allerdings herausgefunden, dass in mehr als der Hälfte der Mobbing-Fälle Vorgesetzte beteiligt sind.— Ruhr-Nachrichten 8.11.2003

Meine Erfahrungen

Das Arbeitsleben hat eine außerordentlich große Bedeutung für unsere psychische Befindlichkeit, im Positiven wie im Negativen. Meine Erfahrungen mit dem Arbeitsleben gewinne ich aus verschiedenen Blickwinkeln. Aus den Gesprächen mit den Patienten über ihre beruflichen Probleme erhalte ich ein vielfältiges und differenziertes Bild. Bei der gutachterlichen Tätigkeit in Rentenverfahren erlebe ich häufig einen Zusammenhang zwischen den Arbeitsbedingungen und psychischen Erkrankungen, die zur Arbeitsunfähigkeit oder gar zur Erwerbsunfähigkeit führen. Auch die ehrenamtliche Tätigkeit im Vorstand der Berufsgenossenschaft konfrontiert mich bei Entscheidungen über Präventionskonzepte und Forschungsprojekte mit den psychologischen Faktoren im Arbeitsleben. Schließlich kenne ich die abhängige Tätigkeit auch als Angestellter in einem kirchlichen Krankenhaus, in dem ich auch lange Zeit Vorsitzender der Personalvertretung war. Und als freiberuflich tätiger Psychotherapeut sind mir auch die Probleme der Selbständigkeit vertraut.

Selbsthilfe

Die Klopftechnik: Lebensfreude im Arbeitsleben

Vorbemerkung

Ein professioneller Helfer, z. B. Arzt oder Psychotherapeut, kann einem Patienten bei psychischen Belastungen nur insoweit helfen, wie er sich selbst helfen kann. Wer einem bestimmten Stressmechanismus selbst ausgeliefert ist, wird einer anderen Person an der gleichen Stelle keinen besseren Weg glaubwürdig aufzeigen können. Es mag zwar sein, dass Helfer mit omnipotenten Ansprüchen an sich selbst dies nicht gern hören. Aber es entspricht meiner langjährigen Therapie- und Lebenserfahrung. Deshalb mache ich in den letzten Jahren auf dem Freiburger Symposium zunehmend Angebote zur Selbsterkenntnis und für die Selbstfürsorge von Arbeitsmedizinern. Das Klopfen ist eine hochwirksame Technik, die ich häufig anwende, wenn ich mein Unwohlsein nicht sofort auflösen kann. Heute möchte ich Ihnen Lust auf und Spaß am Klopfen vermitteln.

1. Praktische Einführung ins Klopfen

„Wenn am Anfang eine Idee nicht absurd klingt, dann gibt es für sie keine Hoffnung.“ — Albert Einstein nach Bohne, einem der bekanntesten Klopftherapeuten in Deutschland

Klopfen ist keine esoterische Technik, sondern die Wirksamkeit ist empirisch-wissenschaftlich umfangreich nachgewiesen, auch wenn die Auffassungen über den Wirkmechanismus unterschiedlich sind. Insbesondere ist es für die Behandlung von Ängsten geeignet, sowohl im therapeutischen Setting als auch als Selbsthilfemaßnahme.

Hinweis: Nach meinen Erkenntnissen liegen die Wurzeln aller Ängste letztlich in der Angst vor der Zukunft und/oder in der Angst vor anderen Menschen.

Das Klopfen hat sich in der therapeutischen Szene unter verschiedenen Bezeichnungen und mit unterschiedlichen Techniken etabliert:

  • TFT: Thought Field Therapy (Roger Callahan)
  • EFT: Emotional Freedom Techniques (Gary Craig)
  • PEP: Prozessorientierte Energetische Psychologie (Bohne)
  • MET: Meridian-Energie-Techniken (Eheleute Franke)

Dr. Preetz, „der Hypnosedoktor“, der es mir vermittelt hat, und ich sind der Auffassung, dass es möglichst vielen Menschen zur Verfügung stehen sollte und auch ohne umfangreiche Ausbildung genutzt werden kann. Deshalb nennen wir es einfach nur „Klopfen“.

2. Was sagt die Wissenschaft dazu?

Es liegen 12 TFT/EFT-Studien in den USA vor, welche die Kriterien für die Anerkennung als evidenzbasierte Behandlung durch die American Psychological Association's (APA) erfüllen. Die Anerkennung lässt auf sich warten. Die Ablehnung neuer Erkenntnisse durch die etablierten Institutionen ist auch in Deutschland üblich.

Beispielsweise wurde die Hypnosetherapie in den USA 1955 anerkannt, in Großbritannien 1958 und in Deutschland durch den Wissenschaftlichen Beirat erst 2006. Das Klopfen wird sich auch in Deutschland durchsetzen, weil es so einfach und hochwirksam ist. Die Milton Erickson Gesellschaft MEG hat zusammen mit anderen im Mai 2014 einen Kongress in Heidelberg organisiert unter dem Titel „Reden reicht nicht – Bifokal-Multisensorische Interventionstechniken“, auf dem auch Klopftherapeuten umfangreich vertreten sind. Mit über 1300 Teilnehmern und einer inzwischen geschlossenen Warteliste von 1000 weiteren Anmeldungen war der Kongress nach seiner Ankündigung innerhalb von wenigen Wochen ausgebucht.

Ich selbst setze das Klopfen therapeutisch sehr vielfältig ein, vor allem aber bei der Behandlung von Ängsten und anderen bedrückenden Gefühlszuständen. Besonders gut löst es traumatische Erinnerungen auf, die noch nicht so weit zurück liegen, vor allem nach Arbeitsunfällen, so dass die Betroffenen rasch wieder an ihren Arbeitsplatz zurückkehren können. Zugleich vermittle ich meinen Patienten das Klopfen als Selbsthilfetechnik bei anhaltend störenden Gefühlen, erklärt anhand eines nachvollziehbaren Modells vom Selbst-Bewusstsein.

3. Selbst-Bewusstsein – oder wie wir ticken

Wenn wir Probleme lösen wollen, glauben wir üblicherweise, wir müssten sie erst analysieren, um sie dann mit der geeigneten Herangehensweise aufzulösen. Weil dies bei praktisch-technischen Problemen so gut funktioniert, versuchen wir es auch bei psychischen Problemen anzuwenden. Aber psychische Probleme sind Ausdruck ganzheitlichen Empfindens. Und wenn wir sie zerlegen, um sie zu analysieren, bleiben immer ungesehene Reste bestehen, so dass die Problemmuster irgendwann wieder aktiviert werden. Gibt es etwas anderes als analytisches Denken, um Stress und andere psychische Belastungen aufzulösen? Mit dem „stillen Geist“ – so nenne ich gern die Haltung oder Verfassung von Achtsamkeit oder Gelassenheit – endet der Stress. Der Stress klopft an – Gelassenheit öffnet die Tür – niemand ist da. (in Abwandlung eines chinesischen Sprichwortes)

Das Leben erscheint dem analytischen Denken kompliziert, im ganzheitlichen Fühlen ist es einfach – und sehr intensiv!

„Ich sollte mich nicht aufregen“, sagt das Bewusstsein. „Aber ich tue es trotzdem“, setzt sich das Tiefenbewusstsein durch mit dem engen Kontakt zu den körperlichen Funktionen, die beim Stress üblicherweise aktiviert werden. Wer sein Tiefenbewusstsein nicht kennenlernt, wird von ihm beherrscht. Die Stressblockade besteht darin, dass man sich in gedankliche Erklärungen, Wünsche und Befürchtungen flüchtet, um die tieferliegenden Gefühle nicht zu spüren. Doch das, was in der Tiefe unseres Bewusstseins geschieht, bestimmt unser Handeln. Wenn wir unsere eigenen Reaktionen nicht gut finden, sie aber trotzdem nicht korrigieren können, dann ist Angst im Tiefenbewusstsein der bestimmende Faktor. Wenn wir gelassen sind, der Geist still ist, dann lösen sich solche Ängste auf, die Stress erzeugen. Durch das Klopfen wird genau dieser Zustand der Gelassenheit aktiviert, in dem das negative Gefühl „gelassen“ wird, ohne es zu bekämpfen oder wieder zu verdrängen.

4. Wie wird geklopft?

4.1 Vorbereitung – Wann soll oder kann man klopfen?

Jederzeit, wenn man sich nicht gut fühlt, wegen der Sorgen um Morgen und Angst vor anderen Menschen oder anderer Varianten dieser Grundängste.

4.2 Wie wird geklopft?

Ich beschreibe erst einmal nur das „Gerippe“, das unkomplizierte Grundprinzip nach Dr. Preetz. Man klopft bei sich selbst und zwar auf drei verschiedene Arten auf die neun Akupunkturpunkte:

  • Die Punkte 1., 7.–9. mit allen Fingern
  • Die Punkte 2.–6. mit Mittel- oder Zeigefinger

Die Punkte werden in einem gleichmäßigen Rhythmus von 3–5 mal pro Sekunde geklopft. Die Stärke des Klopfens ist Geschmackssache. Ob man die rechte oder linke Hand nimmt oder die linke oder rechte Seite klopft, ist egal, man kann auch die Seiten zwischendurch wechseln. Man sollte die Systematik nicht verbissen ernst nehmen. Es ist auch nicht schlimm, wenn man einen Punkt absichtlich oder versehentlich auslässt.

Die Akupunkturpunkte sind: Karatepunkt an der Handkante; Beginn der Augenbraue neben der Kopfmitte; auf dem Knochen der Augenhöhle an der Seite vom Auge; auf dem Knochen der Augenhöhle in der Mitte des Auges unter der Pupille; Vertiefung unter der Nase und über dem Mund; Vertiefung zwischen Unterlippe und Kinn; Im Winkel unter Schlüsselbein zum Brustbein; in der Seite ca. 10 cm unter der Achselhöhle; der höchste Punkt in der Mitte des Vorderkopfes.

Während Sie klopfen, sprechen Sie Ihr Thema an.

A · Start

Dreimal: „Ich liebe und akzeptiere mich von ganzem Herzen.“ und/oder „Ich liebe mein Leben.“ und/oder „Ich bin offen für die Welt, auch wenn ich …“ – hier wird das konkrete Gefühl genannt, das im Moment störend ist, z. B. „… Angst habe, dass ich meine Arbeit nicht schaffe.“

B · Vom 2. bis 8. Punkt

Das Negative/Unangenehme benennen, z. B. „Ich habe Angst, meine Arbeit nicht zu schaffen.“ Während des Klopfens tauchen meist weitere negative GedankenGefühle auf, die ebenfalls ausgesprochen werden können.

C · Am letzten Punkt auf dem Kopf

Noch 1x das Negative und dann irgendeinen kleinen positiven Gedanken anfügen: „Ich habe Angst, meine Arbeit nicht zu schaffen, aber vielleicht werde ich weniger darüber nachdenken, weil ich doch sowieso immer nur eine Sache nach der anderen tun kann.“

4.3 Einschätzung des Effekts

Nach einer Klopfrunde beurteilen Sie auf eine Skala von 0–10 die Stärke der noch verbliebenen negativen Gefühle und Ängste. Bei Werten über 2 wiederholen Sie die Klopfrunde. Oft reicht eine Klopfrunde, manchmal führen erst 3–5 Runden zur gewünschten Erleichterung.

4.4 Tiefe der erreichbaren Gefühle

A „Einfaches Klopfen“ bei situationsbezogenen Ängsten und Spannungen kann diese leicht und sofort auflösen.

B Tiefgehendes Klopfen. Wer sich mit dem Klopfen systematisch vertraut macht, kann damit auch tieferliegende Probleme und Ängste abbauen. Beim Klopfen können dann gezielt Erinnerungen angesprochen werden mit der Frage an sich selbst (während man klopft): Wann habe ich dieses negative Gefühl früher schon einmal erlebt?

Wichtig: Die Bereitschaft, sich dabei auch schlimmen Erinnerungen zu stellen. Schlimme Erinnerungen sind nur dadurch schlimm, dass man die Gefühle, die hochkommen, bekämpft. Wenn man einfach dabei bleibt, lösen sie sich auf.

4.5 Nebenwirkungen?

Die Wirkung des Klopfens ist nicht vorher berechenbar. Meistens geht es besser. Manchmal wirkt es nicht, nämlich wenn man nicht bei seinem Gefühl bleibt, sondern „mechanisch“ klopft und weiter im Denken, statt im Fühlen ist.

Selten geht es schlechter. Dann hat man eine Angstschicht „weggeklopft“ und darunter kommt eine größere Angst zum Vorschein. Alles, was von innen her hochkommt, nenne ich „Seeleneiter“. Es ist gut, dass es herauskommt, weil es nur so verarbeitet werden kann. Auch wenn das Unverarbeitete nicht hochkommt, wirkt es in uns, und zwar noch viel heftiger, als wenn es uns bewusst ist. Sie können genauso wie die Anfangsängste geklopft werden. Wichtig ist, dranzubleiben und nicht wieder verdrängen wollen, das geht nämlich nicht mehr. Was hochgekommen ist, kann nicht mehr verdrängt werden.

Das gilt auch, wenn besonders heftige traumatisierende Erinnerungen beim Klopfen ins Bewusstsein treten. Keine Panik, es sind nur unverarbeitete Erinnerungen!

Also Weiterklopfen, wenn möglich. Wenn nicht, bewusst planen, später wieder diese Gefühle aufzugreifen:

  1. Pause machen, später weiter klopfen
  2. Mit einer Person des Vertrauens klopfen
  3. Therapeuten suchen

5. Stress am Arbeitsplatz wegklopfen

Im zweiten Teil des Seminars wurde das Klopfen gemeinsam in der Gruppe praktiziert. Jeder Teilnehmer konnte negative Gefühle am Arbeitsplatz benennen, die dann in die Klopfrunde integriert wurden. Soweit ich mich erinnern kann, berichteten alle oder fast alle Teilnehmer von der erleichternden Wirkung des Klopfens und den neuen Einsichten, die es hervorgebracht hat.

Aufgrund des Wunsches einiger Teilnehmer haben wir nach Ablauf der Zeit noch eine Klopfrunde zum Abbau des Dranges nach Süßigkeiten durchgeführt.

Über positive oder negative Rückmeldungen zur Nachhaltigkeit des Klopfens freue ich mich.

Berufsgenossenschaft

Die Berufsgenossenschaft BGW

Mein Ehrenamt · Ehrenamtliche Tätigkeiten

Meine ehrenamtliche Tätigkeit bei der Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege (BGW) hat sich im Laufe vieler Jahre entwickelt:

Seit 1977 bin ich Mitglied der Gewerkschaft ÖTV, jetzt Ver.di.

Als langjähriger Vorsitzender der Mitarbeitervertretung des Ev. Krankenhauses Dortmund-Lütgendortmund wurde ich von den Mitgliedern der Dortmunder Krankenhäuser und des Bereichs Kirchen in den Kreisvorstand der ÖTV-Dortmund und in verschiedene andere gewerkschaftliche Funktionen gewählt.

So wurde ich auch 1980 als Versichertenvertreter der Liste ÖTV in die Vertreterversammlung der BGW gewählt.

Gegenwärtig bin ich ordentliches Vorstandsmitglied bei der Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege (BGW) als Beauftragter der Gewerkschaft Ver.di. Im Rahmen meiner Vorstandstätigkeit leite ich als (alternierender) Vorsitzender den Vorstandsausschuss für Kommunikation und bin Mitglied der Ausschüsse für Prävention, Rehabilitation und Heilverfahren, von Rentenausschüssen, der Arbeitsgruppe „Versichertenfreundliche Bescheidgestaltung“ sowie des Beirats „BGW-Forum“ und des Beirats der Stiftungsprofessur Epidemiologie und Versorgungsforschung bei Pflegeberufen am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf.

Die BGW · Aufgaben und Organisation

Die BGW ist die gesetzliche Unfallversicherung für alle Unternehmen und Einrichtungen im Gesundheitsdienst und der Wohlfahrtspflege außerhalb des öffentlichen Dienstes einschließlich der Frisöre. Sie ist für die Prävention, Rehabilitation und die Entschädigung bei Arbeitsunfällen, Wegeunfällen und Berufskrankheiten zuständig sowie für die Prävention von arbeitsbedingten Gesundheitsgefahren, zu denen auch die psychischen Belastungen im Arbeitsleben gehören. Es sind dort mehr als 7 Mio. Beschäftigte in über 600.000 Betrieben versichert. Die Berufsgenossenschaften führen in eigener Verantwortung unter staatlicher Aufsicht ihre gesetzlich übertragenen Aufgaben durch. Sie sind ebenso wie die anderen gesetzlichen Sozialversicherungen selbstverwaltet. Dies bedeutet, dass die Selbstverwaltung, die sich paritätisch aus Vertretern der Versicherten und Vertretern der Arbeitgeber zusammensetzt, über die Vertreterversammlung (eine Art Parlament) und den Vorstand sowie verschiedene Ausschüsse das Verwaltungsgeschäft steuert und kontrolliert.

Die Schwerpunkte meiner Arbeit in der BGW

Da die Bedeutung psychologischer Faktoren und psychischer Belastungen im Arbeitsleben erheblich zugenommen hat und seit der Reform des Sozialgesetzbuches die Berufsgenossenschaften auch für diese Fragen im Rahmen der Prävention arbeitsbedingter Gesundheitsgefahren zuständig sind, konnte ich meine fachliche Kompetenz als Diplom-Psychologe im Interesse der Versicherten vielfältig einbringen:

Die BGW hat in den 90er Jahren einen Bereich „Psychologie“ mit Planstellen in der Abteilung „Grundlagen der Prävention“ eingerichtet. Ich habe Wert darauf gelegt, dass sich dieser Bereich in einer zukunftsweisenden Verknüpfung von Klinischer Psychologie und Arbeits- und Organisationspsychologie aufstellt, um sich auch um die Probleme der Prävention und Rehabilitation von Berufskrankheiten und berufsbedingten Erkrankungen zu kümmern zu können. Der Arbeitsbereich „Psychologie“ hat sowohl in der Verwaltung als auch in der Selbstverwaltung inzwischen eine hohe Anerkennung gefunden und ist auch ein „Aushängeschild“ der BGW.

Psychologische Projekte der BGW

Für folgende Projekte des Bereichs Psychologie habe ich mich besonders engagiert:

  • Die BGW bietet für die Altenpflege ein Weiterbildungsprogramm über Schlüsselqualifikationen an. Beschäftigte der Altenpflege können hier die in der Ausbildung meist nicht oder nur kaum vermittelten emotionalen, sozialen und organisatorischen Kompetenzen erwerben mit dem Ziel der besseren Bewältigung der hohen, insbesondere auch psychischen Belastungen. Ich habe nachhaltigen Wert auf das innovative Konzept gelegt, dass aufeinander abgestimmte Bausteine der Qualifizierung für Mitarbeiter und Vorgesetzte entwickelt werden. In der Diskussion um dieses Projekt hat die BGW auch eine politische Initiative zur Verbesserung der Lage der Altenpfleger ergriffen.
  • In Ergänzung zu den Hautschutzseminaren für berufserkrankte Frisöre und Pflegekräfte, die ihnen die Fortführung des Berufs ohne Hauterkrankungen ermöglichen sollen, werden mit großem Erfolg psychologische Seminare für Beschäftigte in diesen Berufen zur Stressbewältigung am Arbeitsplatz durchgeführt.
  • Es wird viel über Stress am Arbeitsplatz gesprochen, oftmals mit wenig Sachverstand und viel Beliebigkeit. Die BGW hat ein umfassendes Stresskonzept entwickelt, in dem die vielfältigen Aktivitäten zu diesem Thema sinnvoll integriert werden – ein Novum im Bereich der Berufsgenossenschaft.
  • Die Posttraumatische Belastungsstörung (PTBS) sowie andere psychische Beeinträchtigungen als Folge von Arbeits- und Wegeunfällen, entweder in Verbindung mit einem schweren Körperschaden oder als rein psychischer Schaden (z. B. nach Überfällen oder Übergriffen auf Beschäftigte) ist als beruflich bedingte Unfallfolge anzuerkennen – sofern sie überhaupt festgestellt und gemeldet wird. Die BGW hat ein Fortbildungscurriculum für Psychotherapeuten finanziert, entwickelt und umgesetzt, damit die psychischen Folgen rechtzeitig erkannt und besser behandelt werden können.

Ich habe mich in diesen Jahren meiner ehrenamtlichen Tätigkeit mit Fragen der psychischen Belastungen im Arbeitsleben zunehmend auseinander gesetzt und habe regelmäßig auf dem jährlich stattfindenden Freiburger Symposium für Betriebsärzte im Gesundheitswesen darüber referiert. Ich stelle eine sehr destruktive Entwicklung in vielen Betrieben und Verwaltungen fest, die psychischen Störungen nehmen zu, sicher auch bedingt durch die Verschlechterung der Arbeitsbedingungen. Für die Berufsgenossenschaften gibt es die rechtliche Grundlage, sich auch um arbeitsbedingte Gesundheitsgefahren zu kümmern, welche die psychischen Belastungen der Mitarbeiter einschließen. Werden die Berufsgenossenschaften bereit sein, auf diese Entwicklungen, insbesondere die Zerstörung der zwischenmenschlichen Beziehungen in den Betrieben konstruktiv zu reagieren?

Öffentlichkeitsarbeit

Ein weiterer Schwerpunkt meiner Arbeit ist die Tätigkeit im Ausschuss für Kommunikation mit Themen zur Sicherheitswerbung und Öffentlichkeitsarbeit, in dem auch weitreichende Kampagnen zur Arbeitssicherheit und zum Gesundheitsschutz entwickelt werden, wie die Frisörkampagne für den Hautschutz von Frisören.

Versichertenfreundliche Bescheide

In der Selbstverwaltung gab es immer wieder Unzufriedenheit darüber, dass wir in den Rentenausschüssen und Widerspruchsstellen Bescheide zu beschließen hatten, die sprachlich für die Versicherten kaum nachvollziehbar waren oder sehr bürokratisch wirkten. Wir haben schließlich eine Arbeitsgruppe zur kontinuierlichen Verbesserung der Bescheidschreibung eingerichtet, in der Vertreter der Verwaltung gemeinsam mit einem Arbeitgebervertreter und mit mir alle Verbesserungsvorschläge aus den Ausschüssen bearbeiten mit dem Ziel einer versichertenfreundlichen Darstellung der Bescheide. Dies ist bei über 20.000 Bescheiden der BGW pro Jahr eine wichtige Verbesserung im Interesse der Versicherten und verbessert auch das Image der BGW.

Vorträge