Psychopharmaka während der Psychotherapie?

Aufgrund meiner klinischen Erfahrung weiß ich, dass Psychopharmaka notwendig und sinnvoll sein können. Ich kenne allerdings auch die erheblichen Risiken. Vor allem beklagen viele Patienten, dass die Psychopharmaka nicht nur die negativen Gefühle reduzieren, sondern dass auch die positiven Gefühle nicht mehr in der ganzen Intensität empfunden werden können. Häufig beschreiben sie, dass sie sich gefühlsmäßig und geistig fühlen, als seien sie in Watte gepackt. Genauso gibt es auch Patienten, die keinerlei Beschwerden beklagen und froh darüber sind, dass es „ihre" Medikamente gibt.

Psychologen dürfen berechtigterweise keine Medikamente verordnen, da sie keine ausreichenden pharmakologischen Kenntnisse haben. Die von Ärzten verordneten Psychopharmaka (Tranquilizer/Beruhigungsmittel, Antidepressiva, Neuroleptika) beeinflussen erheblich eine Psychotherapie. Das sollte berücksichtigt werden. Ich arbeite auch psychotherapeutisch mit Menschen, die Psychopharmaka einnehmen. Dann kann es manchmal auch notwendig sein, mit dem Arzt die ärztlichen und psychotherapeutischen Therapien aufeinander abzustimmen.

Die Verschreibungspraxis für Psychopharmaka hat sich in den vergangenen 10 Jahren erheblich verändert. Sie werden bei einer wachsenden Zahl von Patienten dauerhaft, und nicht nur in einer akuten Krise, verordnet, entsprechend den Empfehlungen der Pharmaindustrie. Mit einem riesigen Werbeaufwand werden die positiven Wirkungen propagiert, während die meisten negativ verlaufenen Studien nicht veröffentlicht werden.

Die Verantwortung für die Verschreibung von Psychopharmaka liegt beim Arzt. Doch der Patient muss mit den körperlichen, emotionalen und geistigen Nebenwirkungen zurecht kommen. Er sollte deshalb ebenfalls den Nutzen sowie Nebenwirkungen und Risiken aufgrund der Wirkungen, die er selbst verspürt, sorgfältig abwägen.

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