Was geschieht beim Klopfen?

Mit Klopfen können Sie unangenehme psychische Zustände beseitigen, und zwar nicht nur in einer Psychotherapie, sondern auch für sich allein als Selbsthilfe. Eine zentrale Voraussetzung für erfolgreiches Klopfen besteht darin, dass Sie bereit sind, alles, was sich in ihrem Leben an negativen Erfahrungen angesammelt hat, hochkommen zu lassen, damit sich die Angst davor auflösen kann. Sich den eigenen Gefühlen bedingungslos zu stellen, das ist vielleicht das Schwierigste, weil uns die Angst vor unserem eigenen Innenleben so verdammt tief in den Knochen sitzt und weil uns das Vertrauen in das eigene Empfinden abgewöhnt wurde. Deshalb ist der Abschnitt "Gibt es Risiken?" besonders sorgfältig zu lesen.

In 35 Jahren psychotherapeutischer Arbeit in stationärer Psychiatrie und ambulanter Praxis habe ich viele Ankündigungen neuer, „vielversprechender“ Behandlungskonzepte und neuer, „hochwirksamer“ Psychopharmaka erlebt - und ihr Scheitern an der komplexen Realität der Psyche. Patentrezepte gibt es nicht. Als ich zum ersten Mal vom Klopfen hörte, hatte ich meine vorgefertigte Meinung und kein Interesse, wieder auf Heilsversprechungen hereinzufallen. In den Jahren vorher hatte ich für mich entdeckt, dass der stille Geist die Probleme löst, die der unruhige Geist geschaffen hat. Doch wie wird der Geist still, wie wird er vollständig achtsam? Das schien nicht so einfach. Eine sehr persönliche Erfahrung mit dem Klopfen durch Dr. Norbert Preetz, den „Hypnosedoktor“, machte mich hellwach. Beim Klopfen geschah etwas wirklich Neuartiges: Im Klopfen lösen sich negative Gefühle auf, ohne dass irgendetwas analysiert oder bekämpft werden muss.

Die Wirkung vom Klopfen erscheint auf den ersten Blick nicht glaubhaft. Klopfen kann jeder selbst, ohne Therapeuten, außer vielleicht zur Einführung. Nur wer die Wirkung des Klopfens erlebt, wird begreifen, was dabei im Innenleben geschieht. Ich habe eigene Erfahrungen mit dem Klopfen für mich selbst und mit meinen Patienten gesammelt.

Wenn wir negativ emotional belastet sind, können wir nicht intelligent und voll Liebe handeln. Die negative Belastung in einer konkreten Situation kommt aus den Erinnerungen an schlimme unverdaute Erlebnisse, die durch Denken gerade jetzt wieder aktiviert werden. Durch das Klopfen auf bestimmte Akupunkturpunkte, während die negativen GedankenGefühle zugleich benannt werden, kann das Gehirn nicht mehr über die Belastung nachdenken. Dadurch endet die Produktion negativer Gefühle. Wir werden wieder handlungsfähig und fühlen uns wohl dabei. Wir klopfen also nichts von außen in uns hinein. Durch das Klopfen wird das, was in uns ist, in unserem Bewusstsein offengelegt. Die negativen Emotionen lösen sich selbst im stillen Geist auf. Das klingt doch erst einmal höchst merkwürdig.

Wenn am Anfang eine Idee nicht absurd klingt, dann gibt es für sie keine Hoffnung“, soll Albert Einstein gesagt haben, laut Michael Bohne, der wohl bekannteste Klopftherapeut in Deutschland.

Der Ablauf des Klopfens

Ich klopfe, wenn es mir in irgendeiner Hinsicht nicht gut geht.

Vor Beginn des Klopfens: Ich beobachte meine momentane Belastung. Was beeinträchtigt meine freie Handlungsfähigkeit? Was stört und bedrückt mich oder macht mir Angst? Es können Probleme mit der Außenwelt sein oder einfach nur eine negative Verfassung oder eine unangenehme, unverstandene Körperreaktion. Die „richtige“ Formulierung für die Belastung zu finden, ist nicht entscheidend, sondern es geht um das Wahrnehmen der Belastung und der damit verbundenen Gefühle. Dann finden sich die passenden Worte von allein. Und wenn es z.B. nur die Feststellung ist: „Ich fühle mich nicht wohl und weiß nicht warum.“

Alles, was sich negativ anfühlt, kann geklopft werden, Gefühle, Gedanken oder Befürchtungen vor der Zukunft. Sehr nachhaltige Entdeckungen können Sie machen, wenn Sie beim Klopfen sich an unangenehme Situationen der Vergangenheit erinnern. Sie dürfen sich dann aber auch nicht abschrecken lassen von dem, was dann hochkommen mag (s.u.).

Klopfen auf den Karatepunkt: Ich beginne mit der Benennung, dass tief in mir drinnen eine positive Lebenshaltung ist, ohne die ich gar nicht leben könnte – auch wenn es mir manchmal schwer fällt, mir dies einzugestehen, wenn ich sehr negativ drauf bin. Denn alles, was lebt, will leben. Das ist ein Naturgesetz, also unabhängig davon, ob ich negativ oder positiv über mich und mein Leben nachdenke. Die Benennung der positiven Lebensenergie wird verknüpft mit der Benennung der Belastung. So wird die Belastung als Teil oder als Herausforderung für die Lebensenergie begriffen und kann mich nicht mehr ins total Negative ziehen, was negative Gefühle sehr oft machen. Diese grundlegend positive Lebenshaltung wird ausgedrückt durch Worte wie:

Hinter dem „auch wenn ich...“ schließt sich die Benennung der Belastung an, die ich vor Beginn des Klopfens bei mir festgestellt habe, z.B. auch wenn ich Angst vor der Prüfung habe, auch wenn ich total wütend auf meinen Partner bin, auch wenn ich mich über das schlechte Wetter ärgere usw. Manchen Menschen fällt es sehr schwer, sich selbst vollständig positiv zu sehen. Dann kann man am Anfang auch beispielsweise erst einmal sagen: "Ich versuche, mich voll und ganz zu akzeptieren, auch wenn ich...". Später gelingt es dann meistens, die positiven Aussagen über sich selbst ohne diese Einschränkung zu machen.

Klopfen auf die Punkte 2. bis 8.

Hier werden nur die negativen Belastungen und Gefühle benannt. Dadurch, dass ich nicht mehr darüber nachdenke, werden sie nicht mehr gefüttert und lösen sich auf. Es können beim Klopfen neue Aspekte des Problems auftauchen, die ebenfalls ausgesprochen werden können. Ich kann an jedem Punkt einmal ein Wort oder einen Satz sagen. Oder ich kann es auch mehrfach wiederholen. Ich kann auch neue Aussagen machen, die gerade in mir aufsteigen. Es gibt keine Regeln, was man zu sagen hat, sondern es kommt nur darauf an, dass das Negative für mich in diesem Moment eine Bedeutung hat: z.B. „Angst vor Prüfung“ oder „Wut auf meinen Mann“ oder „Ärger über das Wetter“. Schon wenn Sie Ihren Ärger über das Wetter aussprechen, kann es sein, dass Sie die Unsinnigkeit dieses Ärger fühlen. Das ist viel mehr, als sich zu sagen. „Über das Wetter sich zu ärgern, ist unsinnig.“ Das können Sie sich nämlich zehnmal sagen und ärgern sich trotzdem weiter. Aber wenn Sie die Unsinnigkeit dieses Ärgers fühlen, hört er auf. Dasselbe Prinzip gibt es auch bei heftigeren negativen Gefühlen, vielleicht nur nicht ganz so schnell.

Wenn positive Gedanken und Gefühle auftauchen, kann ich sie aussprechen, sollte aber danach wieder zu dem negativen Belastungsthema zurückgehen und mich nicht nur am Positiven festhalten. Wir neigen dazu, uns ins positive Denken zu flüchten, nur um etwas Negatives, das wir empfinden, dadurch wegzudrücken. Aber das verdrängte Negative kommt immer wieder hoch, solange es sich nicht im Gefühlsleben geklärt hat. Klopfen klärt und verdrängt nicht.

Klopfen auf den Punkt 9.

Hier benenne ich noch einmal die negative Belastung, aber schließe dann das Klopfen mit positiven Äußerungen ab. Die positive Äußerung kommt aus dem Inneren hoch – und mag sie noch so „klein“ sein, z.B. „vielleicht sehe ich das Problem jetzt ein wenig anders“. Ich brauche keine großartige positive Erkenntnis produzieren. Jede Erwartung, was ich an Positivem durch das Klopfen erreichen will, stört nur, weil die Erwartung immer aus dem Denken kommt, und die Einsicht aus der Tiefe heraus verhindert. Ich muss das, was ich zum Schluss positiv sage, auch selbst glauben, sonst wirkt es nicht. So steht am Anfang und am Ende das Positive, das Negative wurde nicht verdrängt, sondern intensiv bearbeitet. Alles andere erledigt der stille Geist, unsere natürliche ungestörte Intelligenz „von allein“. Es erfolgt also eine wirkliche Auflösung des Negativen in uns. Das ist ein echter Effekt, ganz anders als die hohlen Sprüche vom „positiven Denken“.

Wie geht es mir nach dem Klopfen?

In den meisten Fällen geht es mir besser. Aber geht es mir auch schon richtig gut? Das überprüfe ich, indem ich einschätze, wie stark die Belastung, die ich vor dem Klopfen festgestellt habe, noch ist, und zwar auf einer Skala von 0 (nicht mehr vorhanden) bis 10 (maximal vorstellbare Belastung). Wenn ich durch das Klopfen nicht bei 2,1 oder 0 angekommen bin, schaue ich mir noch einmal meine Belastung an, und dann klopfe ich noch einmal. Ich kann mehrere Klopfdurchgänge hintereinander durchführen. Dies sollte ich auch tun, damit die Belastung ganz beendet wird. Denn nur dann wirkt das Klopfen auch nachhaltig. Was richtig weggeklopft ist, kommt nicht wieder, auch wenn andere ähnliche Aspekte, die noch nicht geklopft wurden, auftauchen können. Durch das Klopfen werden wir also wieder optimal handlungsfähig, weil die Störung beseitigt ist.

In wenigen Fällen wirkt das Klopfen nicht. Dann prüfe ich, ob ich mich wirklich auf die Belastung eingelassen habe und die Gefühle gespürt habe, oder ob ich nur oberflächlich die Worte gesprochen habe, aber im Denken ganz woanders gewesen bin. Wenn ich ernsthaft bei der Belastung bleibe, während ich sie anspreche und klopfe, kann der Geist sich nicht ablenken, und es gibt immer eine Wirkung.

In manchen, eher seltenen Fällen geht es nach dem Klopfen schlechter, nämlich dann, wenn man ein tiefes unbewusstes Problem berührt. Dies kann vor allem auch hochkommen, wenn man eine schlimme Erinnerung beklopft. Dann wurde durch das Klopfen eine negative „Schale“ weggeklopft und dahinter wird eine noch größere, bisher verdrängte Belastung sichtbar und fühlbar. Ich kann nun das neue Problem wie das vorherige ebenfalls klopfen. Falls dies zu keiner Verbesserung führt, kann ich das Klopfen fortführen. Ich kann es auch vorerst beenden und lasse diese „Entdeckung“ erst einmal in Ruhe wirken. Aber ich bleibe mir dessen bewusst, ohne diese Erfahrung wieder verdrängen zu wollen. Vielleicht gehe ich zu einem späteren Zeitpunkt noch einmal an dieses Thema heran, wenn ich mehr Zeit und Ruhe habe. Oder ich suche das Gespräch mit einer Vertrauensperson, mit der ich das Problem zusammen klopfen kann. Denn die meisten dieser tiefen Probleme sind entstanden in einer Situation, in der man sich sehr, sehr einsam gefühlt hat, so dass man große Angst vor diesem Gefühl hat und vielleicht sich nicht zutraut, es allein zu klopfen.

Wie sich der heilsame Effekt nach dem Klopfen anfühlt, kann ich nicht allgemeinverbindlich beschreiben. Es ist eine Form von mehr oder weniger starker Erleichterung verbunden mit einer Klarheit darüber, was jetzt zu tun ist und einem Nachlassen eventuell vorhandener psychosomatischer Beschwerden. Wirklich erfassen kann jeder die Wirkung des Klopfens erst, wenn er oder sie dies selbst erlebt hat.

Gibt es Risiken beim Klopfen? Kann man Fehler machen, dass das Problem schlimmer wird?

Soweit ich es sehe, gibt es einen sehr bedeutsamen Aspekt, den man beachten muss: Wenn durch das Klopfen ein schlimmes negatives Gefühl auftaucht, das unter einem weggeklopften negativen Aspekt zum Vorschein kommt, darf man dies nicht wieder zu verdrängen versuchen. Denn das ist nicht mehr möglich. Den Geist bekommen Sie nicht mehr in die Flasche zurück - um es  mit diesem Bild zu verdeutlichen. Der innere Kampf gegen ein negatives Gefühl verstärkt dieses immer mehr, in Extremfällen bis zum Unerträglichen. Das negative Gefühl ist Ausdruck eines Erlebnisses, das verdrängt wurde und nicht verstanden werden konnte, weil es unerträglich war. Wenn ein solches Gefühl aufkommt, mag es sich zwar sehr schlimm anfühlen, aber nur solange, bis es sich klärt und auflöst. Dieser Prozess des „Anschauens“ und Klärens ist nicht gefährlich, mag sich das Gefühl, das hochkommt, auch noch so schlimm anfühlen. Denn es ist nur ein Gefühl und eine Erinnerung und keine wirkliche neue Bedrohung. Erst wenn man versucht, trotzdem das zu verdrängen, was man nicht mehr unterdrücken kann, dann kann ein unerträglicher innerer Konflikt entstehen. Denn wenn immer das DenkenFühlen sich verheddert in inneren Konflikten, kann es auch zu einem destruktivem Verhalten führen.

Wenn Du mit dem Klopfen begonnen hast, dann höre nicht auf, solange noch eine anhaltende Unruhe in dir ist bei dem Thema, das du geklopft hast. Denn das, was du aufgewühlt hast und nicht vollständig klärst, d.h. bis du wieder zur Ruhe kommst, kann dich sehr belasten. 

Du kannst, aber musst nicht sofort weiter klopfen, wenn es dir zu heftig erscheint oder wenn der Zeitpunkt dafür ungünstig ist. Es reicht, wenn du dir ernsthaft vornimmst: Da gehe ich später noch einmal dran, oder da hole ich mir Unterstützung durch eine nahestehende Person. Wenn dir keine geeignete Person einfällt, die ein Interesse an dir und am Klopfen hat, kannst du dir auch eine/n Therapeuten/in deines Vertrauens suchen. Du musst dir auch keinen Zeitdruck machen, um unbedingt schnell an das aufkommende Problem herangehen zu wollen. Es läuft nicht weg, auch wenn es in den Hintergrund tritt, weil das Leben mit seinen immer neuen Herausforderungen deine Aufmerksamkeit für andere Dinge fordert. Die unverdauten alten Themen werden in passenden neuen Situationen wieder auftauchen und zum „rechten“ Zeitpunkt angegangen werden können. Hauptsache ist, dass du es nicht wieder unterdrücken willst. Wenn du dich entscheidest, das Klopfen für alle aufkommenden Probleme im Alltag zu nutzen, hast du die Chance, dein ganzes Leben in Ordnung zu bringen. Voraussetzung dafür ist, dass du begriffen hast, dass das Unbewusste nicht gefährlich ist, sondern nur der Widerstand dagegen die Angst vor den Erinnerungen bis ins Unerträgliche steigern kann. Wer diesen Zusammenhang begriffen hat, stellt sich auch zuversichtlich möglichen heftigen Überraschungen aus dem Unbewussten.

Kann man auch gute Gefühle in sich hinein klopfen?

Ja und Nein. Wenn ich entschlossen bin, mich mit allen negativen Gefühlen, die in mir hochkommen mögen, auseinander zu setzen und sie nicht mehr zu verdrängen, dann kann ich auch positive GedankenGefühle zu ihrer Verstärkung und zur Nachhaltigkeit klopfen.

Wenn ich jedoch die positiven Gefühle nur deshalb klopfen will, um die negativen wegzumachen, dann wird dies nicht wirklich funktionieren, sondern die verdrängten Probleme nur verstärken.

Die verlogenen „guten“ Gefühle, die sich gegen andere richten wie Schadenfreude oder Lust auf Gewalt, lassen sich nach meiner Beobachtung nicht herbei klopfen. Tief in unserem Bewusstsein ist die Notwendigkeit echter Gemeinsamkeit verankert, über die wir uns nur durch unsere auf „schön“ getrimmten Gedanken hinweg betrügen können. Der Pädophile ist niemals wirklich glücklich beim Sex mit Kindern. Die Freude des erfolgreichen Betrügers währt nicht lang, er muss weiter betrügen, um den Kick wieder zu bekommen. Der lustvolle Hass, wenn der „feindliche“ Fußballverein geschlagen wurde, verdeckt nur vorübergehend die Freudlosigkeit des eigenen Lebens.

Der stille Geist lässt sich nicht betrügen und eine Harmonie vorspiegeln, wenn sie nicht wirklich da ist.

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