Stoffwechselstörung?

Ich habe mit vielen depressiven Patienten psychotherapeutisch gearbeitet, bei denen Psychiater eine Stoffwechselstörung als Ursache der Depression festgestellt haben. Ich habe in allen Fällen schwerwiegende unbewusste seelische Konflikte feststellen können, bei denen eine Psychotherapie angebracht war. Es gibt viele Beweise, dass der Stoffwechsel im Gehirn von schwer depressiven Menschen tatsächlich gestört ist. Offenbar greift eine Depression in den Stoffwechsel ein. Es spricht sehr vieles dafür, dass die Stoffwechselstörung Folge einer Depression ist, aber nicht ihre Ursache. Die „unbegründeten“ Depressionen sind nicht der Beweis für eine Stoffwechselstörung, sondern zeigen nur, dass die Ursache noch nicht bekannt ist und, wie ich immer wieder beobachtet habe, vermutlich in einem unbewussten Konflikt zu suchen ist.

Wenn Patienten sich ihrer Probleme bewusst sind, weil sie Überforderungen, anhaltende Konflikte und Enttäuschungen im Tagesverlauf erleben und auch darüber berichten können, sind sie oft abends erschöpft und besonders depressiv. Bei diesen Problemen werden seltener Stoffwechselstörungen diagnostiziert, ihnen wird angesichts der offenkundigen Probleme eher eine Psychotherapie empfohlen.

Solche Depressionen jedoch, denen unbewusste Konflikte zugrunde liegen, verursachen schon morgens meist eine unbestimmte Angst vor dem, was an dem neuen Tag auf den Patienten zu kommt. So entsteht das „Morgentief“, das von Psychiatern gern als ein Beleg für eine stoffwechselbedingte Depression herangezogen wird. Gegen Abend geht es meistens besser, weil man ja den Tag fast schon überstanden hat.

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