Depression

Es gibt unendlich viele Theorien über Depressionen. Ich beschreibe im Folgenden einige zentrale Aspekte von meiner Sicht dieser Störung und wie ich sie in der Psychotherapie berücksichtige.

Depressionen beinhalten meistens Verlustängste

Depressionen entstehen in der Regel dadurch, dass Menschen einen Verlust erleiden oder ihn befürchten, mit dem sie sich nicht abfinden können. Entweder kreisen die Gedanken unablässig darum, oder der Betroffene resigniert und wird apathisch. Innere Unruhe deutet eher daraufhin, dass sie oder er in einem Grübelkreislauf über den Verlust gefangen sind, während eine tiefgreifende Resignation zu einer inneren Erstarrung führt, es entwickelt sich eine Stupor, wie der Fachausdruck dazu heißt.

Der drohende oder tatsächliche Verlust kann sehr unterschiedliche Dinge betreffen. Offenkundig und für jeden nachvollziehbar ist es, wenn ein Mensch eine geliebte Person durch den Tod verliert, damit nicht fertig wird und depressiv wird. Aber nicht alles, was wir verlieren, macht uns depressiv. Es muss schon etwas sein, was eine große Bedeutung für uns hat. Es ist meistens das, was uns in unserem Leben am wichtigsten ist. Wenn jemand nur für seine Arbeit gelebt hat und sie verliert, dann kann das für ihn schlimmer sein, als wenn der Partner oder sogar ein Kind stirbt. Dies ist ein Grund dafür, weshalb depressive Menschen sich oft von anderen nicht verstanden fühlen. Denn das, was für den einen Menschen das wichtigste im Leben ist, mag für den anderen keine große Bedeutung haben, und er findet es deshalb nicht nachvollziehbar, warum der andere so leidet.

Der Depressive weiß jedoch oftmals nicht, was ihn so fertig macht. In diesen Fällen ist der tatsächliche oder befürchtete Verlust für ihn so schlimm, dass er im Unbewussten verborgen bleibt, dass der Betroffene dieses Thema gar nicht erst in sein Bewusstsein kommen lässt. Wir können unter dem Verlust von sehr vielen unterschiedlichen und auch sehr subtilen Dingen leiden, was wir womöglich noch auf der bewussten Ebene glatt und mit voller Überzeugung bestreiten.

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