Angst

Wie Angst entsteht

Angst ist ein universales Problem, das bei nahezu allen psychischen Problemen beteiligt ist. Entweder spüren wir die Angst, sie ist uns also bewusst. Oder sie steuert unser Verhalten und Erleben auf unbewusste Weise. Dies ist meistens bei psychosomatischen Beschwerden, aber auch bei vielen anderen Problemen wie z.B. Abhängigkeit und Sucht der Fall. Sofern wir die Angst überhaupt wahrnehmen, glauben wir meistens, dass ihre Ursache außerhalb unseres Denkens liegt, in der gegenwärtigen bedrohlichen Situation oder in Befürchtungen, das etwas Schlimmes passieren könnte. Wir sind uns meistens nicht bewusst, dass die Wurzeln der Angst in den Erinnerungen aus der Vergangenheit liegen. Durch das, was wir in der Vergangenheit als unangenehm oder sogar bedrohlich erlebt haben, wird festgelegt, was uns Angst macht. Deshalb haben die verschiedenen Menschen vor ganz unterschiedlichen Problemen Angst.

In der echten Gefahrensituation beschäftigen wir uns nicht mit Angst, sondern handeln, um der Gefahr zu entkommen. In einer akuten Gefahr leben wir ganz und gar in der Gegenwart. Nur vorher oder hinterher können wir die Angst empfinden. Denn Angst erfordert Zeit für das Gehirn, um sich auf der Grundlage der alten Erfahrungen, die als Erinnerungen abgespeichert sind, eine Vorstellung von einer möglichen oder fantasierten Gefahr zu machen. Angst ist immer mit einer Vorstellung, die wir uns machen, einer Erwartung verbunden. Ausgangspunkt aller Ängste sind deshalb immer vergangene Erfahrungen, und zwar positive wie negative. Wir haben negative Erfahrungen gesammelt, die mit negativen Gefühlen verbunden sind. Unser Gehirn, unser Denken stellt allerhand an, damit diese negativen Gefühle nicht wieder hochkommen. Außerdem versucht das Gehirn positive Gefühle, die es erlebt hat, festzuhalten oder wiederherzustellen. Beide Prozesse produzieren Angst. Die negativen Erinnerungen vermeiden zu wollen, geht mit Angst einher genauso wie der Versuch, das Positive festhalten zu wollen, weil dann unterschwellig die Angst mitschwingt, es nicht zu schaffen. Dieser Prozess ist jedoch nicht vollkommen bewusst, weil die angstvolle Denktätigkeit eine Bewegung ist, die weg will von den negativen Erinnerungen. In der Angst versuchen wir, ohne es zu merken, dem aus dem Wege zu gehen, was ihre Ursache ist.

Wozu ist die Angst gut?

Die Angst schreit: "Komm auf den Boden der Tatsachen! Schau genau hin, was hier geschieht und verliere dich nicht in deine Gedankenwelt. Wenn du dich weiter unter Druck setzt, wird es dir nicht besser gehen." Die Wahrnehmung der Wirklichkeit, so wie sie ist, erzeugt keine Angst, nur der Widerstand dagegen. Danke, liebe Angst, dass du mir die Augen öffnest, dass ich gerade die Realität wieder einmal anders haben will, als sie ist. Dann werde ich ruhig und schaue, was wirklich geschieht. Beim Klopfen geht das viel leichter.

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