Die Klopftechnik: Lebensfreude im Arbeitsleben

Vorbemerkung
Ein professioneller Helfer, z.B. Arzt oder Psychotherapeut, kann einem Patienten bei psychischen Belastungen nur insoweit helfen, wie er sich selbst helfen kann. Wer einem bestimmten Stressmechanismen selbst ausgeliefert ist, wird einer anderen Person an der gleichen Stelle keinen besseren Weg glaubwürdig aufzeigen können. Es mag zwar sein, dass Helfer mit omnipotenten Ansprüchen an sich selbst dies nicht gern hören. Aber es entspricht meiner langjährigen Therapie- und Lebenserfahrung. Deshalb mache ich in den letzten Jahren auf dem Freiburger Symposium zunehmend Angebote zur Selbsterkenntnis und für die Selbstfürsorge von Arbeitsmedizinern. Das Klopfen ist eine hochwirksame Technik, die ich häufig anwende, wenn ich mein Unwohlsein nicht sofort auflösen kann. Heute möchte ich Ihnen Lust auf und Spaß am Klopfen vermitteln.

1. Praktische Einführung ins Klopfen

„Wenn am Anfang eine Idee nicht absurd klingt, dann gibt es für sie keine Hoffnung.“
(Albert Einstein nach Bohne, einem der bekanntesten Klopftherapeuten in Deutschland)
Klopfen ist keine esoterische Technik, sondern die Wirksamkeit ist empirisch-wissenschaftlich umfangreich nachgewiesen, auch wenn die Auffassungen über den Wirkmechanismus unterschiedlich sind. Insbesondere ist es für die Behandlung von Ängsten geeignet, sowohl im therapeutischen Setting als auch als Selbsthilfemaßnahme.

Hinweis: Nach meinen Erkenntnissen liegen die Wurzeln aller Ängste letztlich in der Angst vor der Zukunft und/oder in der Angst vor anderen Menschen.

Das Klopfen hat sich in der therapeutischen Szene unter verschiedenen Bezeichnungen und mit unterschiedlichen Techniken etabliert:
TFT: Thought Field Therapy (Roger Callahan)
EFT: Emotional Freedom Techniques (Gary Craig)
PEP: Prozessorientierte Energetische Psychologie (Bohne)
MET: Meridian-Energie-Techniken (Eheleute Franke)

Dr. Preetz, „der Hypnosedoktor“, der es mir vermittelt hat, und ich sind der Auffassung, dass es möglichst vielen Menschen zur Verfügung stehen sollte und auch ohne umfangreiche Ausbildung genutzt werden kann. Deshalb nennen wir es einfach nur „Klopfen“.

2. Was sagt die Wissenschaft dazu?

Es liegen 12 TFT/EFT-Studien in den USA vor, welche die Kriterien für die Anerkennung als evidenzbasierte Behandlung durch die American Psychological Association's (APA) erfüllen. Die Anerkennung lässt auf sich warten. Die Ablehnung neuer Erkenntnisse durch die etablierten Institutionen ist auch in Deutschland üblich.

Beispielsweise wurde die Hypnosetherapie in den USA 1955 anerkannt, in Groß-Britannien 1958 und in Deutschland durch den Wissenschaftlichen Beirat erst 2006.
Das Klopfen wird sich auch in Deutschland durchsetzen, weil es so einfach und hochwirksam ist. Die Milton Erickson Gesellschaft MEG hat zusammen mit anderen im Mai 2014 einen Kongress in Heidelberg organisiert unter dem Titel: „Reden reicht nicht - Bifokal-Multisensorische Interventionstechniken“, auf dem auch Klopftherapeuten umfangreich vertreten sind. Mit über 1300 Teilnehmern und einer inzwischen geschlossenen Warteliste von 1000 weiteren Anmeldungen  war der Kongress nach seiner Ankündigung innerhalb von wenigen Wochen ausgebucht.

Ich selbst setze das Klopfen therapeutisch sehr vielfältig ein, vor allem aber bei der Behandlung von Ängsten und anderen bedrückenden Gefühlszuständen. Besonders gut löst es traumatische Erinnerungen auf, die noch nicht so weit zurück liegen, vor allem nach Arbeitsunfällen, so dass die Betroffenen rasch wieder an ihren Arbeitsplatz zurückkehren können. Zugleich vermittle ich meinen Patienten das Klopfen als Selbsthilfetechnik bei anhaltend störenden Gefühlen, erklärt anhand eines nachvollziehbaren Modells vom Selbst-Bewusstsein. Das gebe ich Ihnen hier weiter.

3. Selbst-Bewusstsein – oder wie wir ticken

Wenn wir Probleme lösen wollen, glauben wir üblicherweise, wir müssten sie erst analysieren, um sie dann mit der geeigneten Herangehensweise aufzulösen. Weil dies bei praktisch-technischen Problemen so gut funktioniert, versuchen wir es auch bei psychischen Problemen anzuwenden. Aber psychische Probleme sind Ausdruck ganzheitlichen Empfindens. Und wenn wir sie zerlegen, um sie zu analysieren, bleiben immer ungesehene Reste bestehen, so dass die Problemmuster irgendwann wieder aktiviert werden. Gibt es etwas anderes als analytisches Denken, um Stress und andere psychische Belastungen aufzulösen?  Mit dem „stillen Geist“ - so nenne ich gern die Haltung oder Verfassung von Achtsamkeit oder Gelassenheit – endet der Stress. Der Stress klopft an - Gelassenheit öffnet die Tür – niemand ist da. (in Abwandlung eines chinesischen Sprichwortes)

Beachte: Das Leben erscheint dem analytischen Denken kompliziert, im ganzheitlichen Fühlen ist es einfach - und sehr intensiv!
Mit Hilfe des folgenden Schaubildes können Sie vielleicht ein besseres Verständnis der Stressmechanismen in Ihnen gewinnen:
„Ich sollte mich nicht aufregen“, sagt das Bewusstsein. „Aber ich tue es trotzdem,“ setzt sich das Tiefenbewusstsein durch mit dem engen Kontakt zu den körperlichen Funktionen, die beim Stress üblicherweise aktiviert werden. Wer sein Tiefenbewusstsein nicht kennenlernt, wird von ihm beherrscht. Die Stressblockade besteht darin, dass man sich in gedankliche Erklärungen, Wünsche und Befürchtungen flüchtet, um die tieferliegenden Gefühle nicht zu spüren. Doch das, was in der Tiefe unseres Bewusstseins geschieht, bestimmt unser Handeln. Wenn wir unsere eigenen Reaktionen nicht gut finden, sie aber trotzdem nicht korrigieren können, dann ist Angst im Tiefenbewusstsein der bestimmende Faktor. Wenn wir gelassen sind, der Geist still ist, dann lösen sich solche Ängste auf, die Stress erzeugen. Durch das Klopfen wird genau dieser Zustand der Gelassenheit aktiviert, in dem das negative Gefühl „gelassen“ wird, ohne es zu bekämpfen oder wieder zu verdrängen.

SCHAUBILD (folgt)

4. Wie wird geklopft?

4.1. Vorbereitung: Wann soll oder kann man klopfen?

Jederzeit, wenn man sich nicht gut fühlt, wegen der Sorgen um Morgen und Angst vor anderen Menschen oder anderer Varianten dieser Grundängste.

4.2. Wie wird geklopft?

Ich beschreibe erst einmal nur das „Gerippe“, das unkomplizierte Grundprinzip nach Dr. Preetz. Man klopft bei sich selbst und zwar auf drei verschiedene Arten auf die neun Akupunkturpunkte:

Die Punkte 1., 7.-9. mit allen Fingern
die Punkte 2.-6. mit Mittel- oder Zeigefinger

Die Punkte werden in einem gleichmäßigen Rhythmus von 3-5 mal pro Sekunde geklopft. Die Stärke des Klopfens ist Geschmackssache.
Ob man die rechte oder linke Hand nimmt oder die linke oder rechte Seite klopft, ist egal, man kann auch die Seiten zwischendurch wechseln. Man sollte die Systematik nicht verbissen ernst nehmen. Es ist auch nicht schlimm, wenn man einen Punkt absichtlich oder versehentlich auslässt.

Die Akupunkturpunkte sind:

Während Sie klopfen, sprechen Sie Ihr Thema an.

A Start:
Dreimal: „Ich liebe und akzeptiere mich von ganzem Herzen.“ und/oder „Ich liebe mein Leben.“ und/oder „Ich bin offen für die Welt, auch wenn ich …“
… hier wird das konkrete Gefühl genannt, das im Moment störend ist, z. B.
„…Angst habe, dass ich meinen Arbeit nicht schaffe.“

B Vom 2. bis 8. Punkt:
Das Negative/Unangenehme benennen.

z. B. „Ich habe Angst, meine Arbeit nicht zu schaffen.“

Während des Klopfens tauchen meist weitere negative GedankenGefühle auf, die während des Klopfens ebenfalls ausgesprochen werden können.

C Am letzten Punkt auf dem Kopf:
Noch 1x das Negative und dann irgendeinen kleinen positiven Gedanken anfügen, der gerade einfällt.
„Ich habe Angst meine Arbeit nicht zu schaffen, aber vielleicht werde ich weniger darüber nachdenken, weil ich doch sowieso immer nur eine Sache nach der anderen tun kann.“

4.3. Einschätzung des Effekts

Nach einer Klopfrunde beurteilen Sie auf eine Skala von 0-10 die Stärke der noch verbliebenen negativen Gefühle und Ängste. Bei Werten über 2 wiederholen Sie die Klopfrunde. Oft reicht eine Klopfrunde, manchmal führen erst 3-5 Runden zu gewünschten Erleichterung.

4.4. Mit dem Klopfen können unterschiedlich tiefliegende Gefühle erreicht werden:

A „Einfaches Klopfen“ bei situationsbezogenen Ängsten und Spannungen kann diese leicht und sofort auflösen.

B Tiefgehendes Klopfen
Wer sich mit dem Klopfen systematisch vertraut macht, kann damit auch tieferliegende Probleme und Ängste abbauen. Beim Klopfen können dann gezielt Erinnerungen angesprochen werden mit der Frage an sich selbst (während man klopft): Wann habe ich dieses negative Gefühl früher schon einmal erlebt?

Wichtig: Die Bereitschaft, sich dabei auch schlimmen Erinnerungen zu stellen.

Merke: Schlimme Erinnerungen sind nur dadurch schlimm, dass man die Gefühle, die hochkommen, bekämpft. Wenn man einfach dabei bleibt, lösen sie sich auf.

4.5. Nebenwirkungen?

Die Wirkung des Klopfens ist nicht vorher berechenbar. Meistens geht es besser.
Manchmal wirkt es nicht, nämlich wenn man nicht bei seinem Gefühl bleibt, sondern „mechanisch“ klopft und weiter im Denken, statt im Fühlen ist.
Selten geht es schlechter. Dann hat man eine Angstschicht „weggeklopft“ und darunter kommt eine größere Angst zum Vorschein. Alles, was von innen her hochkommt, nenne ich „Seeleneiter“. Es ist gut, dass es herauskommt, weil es nur so verarbeitet werden kann. Auch wenn das Unverarbeitete nicht hochkommt, wirkt es in uns, und zwar noch viel heftiger, als wenn es uns bewusst sind. Sie können genauso wie die Anfangsängste geklopft werden. Wichtig ist, dranzubleiben und nicht wieder verdrängen wollen, das geht nämlich nicht mehr. Was hochgekommen ist, kann nicht mehr verdrängt werden.

Das gilt auch, wenn besonders heftige traumatisierende Erinnerungen beim Klopfen ins Bewusstsein treten. Keine Panik, es sind nur unverarbeitete Erinnerungen!

Also Weiterklopfen, wenn möglich. Wenn nicht, bewusst planen, später wieder diese Gefühle aufzugreifen:

1. Alternative: Pause machen, später weiter klopfen
2. Alternative: Mit einer Person des Vertrauens klopfen
3. Alternative: Therapeuten suchen

5. Stress am Arbeitsplatz wegklopfen

Im zweiten Teil des Seminars wurde das Klopfen gemeinsam in der Gruppe praktiziert. Jeder Teilnehmer konnte negative Gefühle am Arbeitsplatz benennen, die dann in die Klopfrunde integriert wurden. Soweit ich mich erinnern kann, berichteten alle oder fast alle Teilnehmer von der erleichternden Wirkung des Klopfens und den neuen Einsichten, die es hervorgebracht hat.

Aufgrund des Wunsches einiger Teilnehmer haben wir nach Ablauf der Zeit noch eine Klopfrunde zum Abbau des Dranges nach Süßigkeiten durchgeführt.

Über positive oder negative Rückmeldungen zur Nachhaltigkeit des Klopfens freue ich mich.

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